Samstag, 20. Februar 2010

Fastnach in München

Von der Münchner Fastnacht hatte ich bisher nur aus dem Fernsehen gehört, wußte aber nicht wie in München gefeiert wird. Deshalb habe ich mich am letzten Dienstag ins Getümmel gestürzt. Da wir bis mittags Schule hatten, gings ohne jede Verkleidung los. Allerdings hatten wir vorsichtshalber ein paar Luftschlangen mitgenommen. Auf dem Weg zum Viktualienmarkt kam ein Partybus an uns vorbei, der uns bis zum Markt mitnahm. Hier sind mir gleich Ballons aufgefallen, so dass man schon von weitem sehe konnte wo die Rettungsstation war oder die WC-Standorte. Praktisch, weil man in solchen Momenten eigentlich nicht mehr lange suchen möchte.

Auf dem Markt gab es die unterschiedlichsten Verkleidungen: Bärchen, Gießkannen, Männer, die als Frauen verkleidet waren, Pinzessinen und viele andere. Bands haben gespielt und wir kamen mit unterschiedlichen Leuten ins Gespräch und bekamen eine kleine Partybemalung und gerieten in einen konfettiregen. Aber irgendwann wollten wir weiter und sind in eine Kneipe am Viktualienmarkt gegangen, wo ein Centaur Türsteher war und vor den Fenstern Leute getanzt haben.

Danach haben wir uns einer Gruppe von "Stewardessen" angeschlossen, sind durch eine Gasse gelaufen, wo wir Ludwig und Sissi begegnet sind, eine Wäschespindel gesehen haben und an einer Gruppe von Zeugen Jehowas vorbeigekommen sind. Es gab viel zu gucken, aber irgendwann wurde es zu kalt, so dass wir wieder in "unsere" Kneipe eingekehrt sind, gefeiert und getanzt haben und netten Leute begegnet sind. Doch lange vor dem Tageswechsel sind wir gegangen. Schließlich hatten wir am nächsten Tag Unterricht. Gerne hätte ich erlebt, was um Mitternacht passiert, wenn der Aschermittwoch beginnt. Aus dem Norden kenne ich es, dass um Punkt 24 Uhr Stühle auf die Tanzfläche gestellt werden, die Musik langsamer und leiser wird und das Licht auch nicht mehr ganz so schummrig ist. Wie es im hauptsächlich katholischen Süden ist? Keine Ahnung. Aber vielleicht finde ich es heraus...:-)

Montag, 15. Februar 2010

Grüss Gott und Servus

Bayrisch konnte ich zuerst kaum verstehen. Und natürlich sind viele Begriffe für mich ungewohnt oder fremd. Das ist aber nicht der einzige Punkt. Auch die Begrüßung und Verabschiedung ist für mich ungewohnt. Klar, dass ich nicht Moin sagen kann, wenn ich ein Geschäft betrete oder einem Menschen begegne. Und wenn ich wieder gehe, kann ich doch schlecht Tschüß sagen. Aber was sagt und tut man hier in München? Ich kann doch nicht jedem gleich um den Hals fallen und Küßchen verteilen. Und zu wem sage ich was und wann? Grüss Gott und Servus sind mir fremd und Münchnerisch möchte ich mir nicht angewöhnen, weil ichs albern finde wenn jemand von oben so spricht nur um nicht aufzufallen.

Samstag, 13. Februar 2010

Eistockschießen















Bei meiner Lieblingsspazierstrecke komm ich immer am Nyphmphenburgkanal vorbei. Ich wundere mich immer über das bunte Treiben und wer sich alles auf dem Kanal tummelt. Mann, Maus, Kind und Kegel. Es macht richtig Spaß zuzusehen. Ich finds spannend, dass so viele Eisstockschießen betreiben. Allerding kenn ich die Regeln nicht. Sind die schwer? Wie funktioniert das?

Freitag, 12. Februar 2010

Briefe in die chinesische Vergangenheit

Meine ersten Tage in München waren eher seltsam: Ich kam mir vor wie im Roman "Briefe in die chinesische Vergangenheit". Hier reist ein Chinse 5000 Jahre in die Zukunft und landet durch Zufall in München.

Bayrisch konnte ich zuerst kaum verstehen, besonders wenn ich unkonzentriert war, hörte es sich an wie eine komplett fremde Sprache. Es ist besser geworden, aber es passiert mir immer noch.

München ist eine der saubersten Städte, die ich kenne. Da kann man sich echt wundern. Als ich zufällig einmal später nach Hause gekommen bin, hat sich das Geheimnis gelüftet: fleißige Helferlein haben alles gereinigt.

Ich laufe gerne und viel durch die Gegend. Als Fußgänger kann man sich da manchmal nur wundern, warum hier bei jeder Gelegenheit gehupt wird, wo es doch eigentlich keinen Grund gibt.

Da ich gerne und viel Fahrad fahre, hab ich mich gefragt, weshalb mich so viele davor gewarnt haben, dass man im Winter nicht Fahrad fahren kann. Jetzt weiss ich warum: Schnee satt. Das erklärt auch die vielen kleinen Schneeräumer, die überall verteilt sind und sofort in Aktion treten, um den Schnee weg zu räumen. Seltsam sieht dies nur aus, wenn kein Schnee liegt und die Wägelchen mit ihren Schaufeln und Schippen am Straßenrand auf ihren Einsatz warten. Die Nordeutschen hätten in diesem Winter auch einige dieser wendigen Arbeits-Autos vertragen können. Da wär der ein oder andere Knochen heil geblieben.

Wie gefählich ist es hier in München, das hab ich mich bei meinen Streifzügen durch die Stadt immer wieder gefragt. Schlimmer als in Berlin? Die Präsenz von Sicherheitsdiensten und Polizei jedenfalls ist auffällig groß, so als würde hier permanent Ausnahmezustand herrschen. Und dass kann schon mal beklemmend sein, wenn mans nicht gewohnt ist.

Das bayrische Essen ist eher deftig: Schweinshaxe, Krustenbraten, Schnitzel, Kaminwurst, Knödel, Kraut und Sosse. Zwischendurch Leberkassemmel oder Butterbrezn. Für Vegetarier: Allgäuer Käsespätzle. Getrunken wird viel Bier. Aber es schmeckt lecker. Beim Lesen fällt mir auf, dass ganz schön klischeehaft klingt:-) Natürlich gibts hier auch viele andere Köstlichkeiten, die es im Norden eher nicht oder nur eingeschränkt zu kaufen gibt. Waffeln, Schockolade, Klossteig in vielen Varianten, Strudelteig, Nudeln, Maultaschen von unterschiedlichsten Firmen. Und mein erstes Mal in einer bayrischen Metzgerei war so, als sei ich vorher noch nie in meinem Leben in einer Metzgerei gewesen. Vieles war fremd für mich. Was ist Presssack, Regensburger Würstchen, rote Bratwurst, Kaminwurst, Wollwurst?

An die Isar verpflanzt

Als es für mich im letzten September hieß für einige Monate an die Isar zu gehen, war ich froh. Museen, Kunst, Kultur, Bildung, lernen dürfen in OnlinePR und Social Media, Berge, Wandern und jede Menge netter neuer Leute kennenlernen.

Aber wie sucht man von Bremen ein halbwegs günstiges Zimmer ohne mal eben zur Besichtigung vorbeizukommen? Man inseriert in WG-gesucht.de, easy-wg.de und einigen anderen Online-Plattformen.
Für den Preis von 350 Euro, dachte ich, müste ich ein schönes Zimmer für sechs Monate in Neuhausen mit Internetflatrate mieten können. Aber es kamen keine Angebote. Was ich nicht wußte, in Müchen genügt es nicht einfach ein Inserat aufzugeben. Man muss ein Bewerbungsanschreiben verfassen, in welchem man erklärt warum man der ideale Mitbewohner ist, welche Motivation man hat gerade dieses Zimmer zu haben, welche Interessen man hat, was und wo man arbeitet. Also habe ich brav einen solchen verfasst und - bekam noch immer keine Angebote.

Die Zeit drängte jetzt etwas. Also musste ich wohl oder übel meine Preisvorstellungen nach oben korrigiern. Was hieß weniger Geld zum Leben zu haben. Danach kamen tatsächlich auch ein oder zwei Angebote. Aber in ganz anderen Stadtteilen und zum Teil auch weit außerhalb von München. Zur Monatsmiete sollte ich drei Monatsmietene Kaution bezahlen. Ich hab meine Annoce noch einmal geändert, wonach auch tatsächlich weitere Angebote kamen, die zwar nicht in Neuhausen waren - aber in der Nähe. Es war fünf vor 12 und ich war zu allem - fast allem bereit. Es war aber nicht das richtige dabei - vielleicht weil ich kein Wochenendheimfahrer sein würde und auch weil ich am Telefon angeboten habe das Zimmer auch ohne vorherige Besichtigung zu nehmen und die horrende Kaution von Tausend Euro zu bezahlen. In Stuttgart habe ichauf diese Weise ein wunderschönes Zimmer bei einer netten Vermieterin gefunden ohne Kaution zahlen zu müssen. Aber da ist alles anders und bedarf wahrscheinlich Vertrauen und positive Erfahrungen.

Also hatte ich am Tag bevor es nach München gehen sollte noch immer kein Zimmer. Am Abend bekam ich dann doch noch mehrere Angebote. Eine Vermieterin bot mir sogar an, dass ich mir für die ersten Tage kein Hotelzimmer suchen müsste, sondern bei ihr wohnen konnte, um erstmal in Ruhe zu gucken. Ich musste keine Kaution zahlen, habe in einem schönen Zimmer gewohnt. Ein richtiger Glücksfall - aber leider zeitlich begrenzt. Jetzt konnte ich aber in Ruhe suchen. Während dieser Zeit habe ich mir die seltsamsten Zimmer angehen, die seltsamsten Annoncen gelesen - und festgestellt, dass man in München doppelt Glück brauch um ein halbwegs bezahlbares schönes Zimmer in München zu finden. Jetzt wohne ich in einem wunderschönen Zimmer in Neuhausen mit Internetflatrate bei einer supernetten Vermieterin in der Nähe meiner Schule - und kann die ganze Wohnung nutzen.